Happy End für neun Shettys

Münster-Coerde - Candy ist so neugierig, wie es nur ein Fohlen sein kann. Mit ausgestrecktem Kopf kommt das Shettyfohlen näher, schnuppert vorsichtig mit samtweichen Nüstern: Nase an Nase. Das ist nur mit Pferden richtig schön.?

Die Vorgeschichte ist nicht so schön. September 2009: Dr. Giovanni Serra, münsterischer Amtstierarzt, beschlagnahmt 13 Shetland-Ponys auf dem Weg von Holland nach Ungarn. Der völlig überfüllte Transporter samt Hänger ist in eine Kontrolle geraten. „Die Tiere hatten zu wenig Platz. Die Identität der Tiere war nicht klar: Es gab zwar Pferdepässe, aber die konnten nicht eindeutig zugeordnet werden. Und die nach EU-Recht erforderlichen tierschutzrechtlichen Genehmigungen für den Transport lagen auch nicht vor“, erinnert sich Serra. So jedenfalls geht es keinen Meter weiter gen Ungarn.

Giovanni Serra ruft bei Dieter Bölting in den Rieselfeldern an, fragt, ob er die Ponys für ein paar Tage aufnehmen kann. Das geht klar.

„Die Tiere kamen aus keinem gepflegten Bestand“, sagt Dieter Bölting. „Verwachsene Hufe, verzottelte Mähnen - das sah schlimm aus“, erinnert sich Böltings Lebensgefährtin Christiane Wecek-Hambrock. Der Hufschmied kommt, der Tierarzt auch. „Denn einige Ponys waren rappeldürr. Und ängstlich waren sie auch“, sagt Wecek-Hambrock und streichelt Molly, die sich mit den anderen Ponys auf einer Weide tummelt. Bella zum Beispiel sei so geschwächt gewesen, dass sie nur drei Pellets am Tag fraß und ihr eine Kniescheibe täglich wieder eingerenkt werden musste. Die Fuchsstute Mimi konnte vor Parasitenbefall kaum laufen. Das hat sich gründlich geändert.

Sie gehören zu den Überlebenden. Denn die Hiobsbotschaft kommt erst noch. Nach über einer Woche zeigen die Ponys Krankheitssymptome, bekommen Fieber, haben anscheinend die „Druse“, so Bölting. Der Tierarzt behandelt sie, trotzdem können nicht alle gerettet werden, neun Ponys überleben schließlich. Da sie einige Pferde im Bestand angesteckt hätten, sei es notwendig gewesen, sie zu isolieren, sagt Dieter Bölting. Amtstierarzt Dr. Serra hilft weiter, vermittelt auf Hof Messing eine Scheune. Dieter Bölting und Christiane Wecek-Hambrock richten sie so gut es geht pferdegerecht ein, sogar mit Futterkammer.

Das Wasserfass friert in dem langen Winter irgendwann ein. Christiane Wecek-Hambrock fährt jeden Tag mit Wasserkanistern rüber, füttert und kümmert sich. „ Wenn ich vorfuhr, wieherte der ganze Stall“, sagt sie lächelnd. Ursprünglich habe sie als Gymnasiallehrerin überhaupt keine Ahnung von Shetlandponys gehabt. Das hat sich gründlich geändert. Und sie hat sich in die Ponys verliebt und sie erworben. Alle Ponys machen auf der Reitanlage inzwischen auch mit bei Schnupperkursen für Kinder.

Diese Geschichte endet mit Molly, die immer runder wurde. Vom vielen Grün von der Wiese? Nicht doch. Ein Blick auf das Gesäuge -die Überraschung ist perfekt. Und dann liegt eines Morgens das kleine Stutfohlen Candy neben ihr. Ihnen geht es tierisch gut.

Katrin Jünemann
Westfälische Nachrichten

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